WALDWENDE JETZT! Mittelrhein                 (Mittelrheintal, Koblenz)


Waldwende Jetzt! im Gespräch mit Josef Oster (CDU), MdB, Stadtrat und Kreisvorsitzender der CDU-Koblenz

Das neue Jahr beginnt mit zahlreichen Gesprächen auf Landes- und Kommunalebene. Waldwende Jetzt! folgte kürzlich der Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten und Kleinwaldbesitzers Josef Oster. 

Oster zeigte sich äußerst offen für die Ziele unserer Bürgerinitiative. „Sie werden vielleicht überrascht sein, aber ich stimme Ihnen in den meisten Ihrer Forderungen zu.“

Volker Ziesling und die beiden Koblenzer BI-Mitglieder Tanja Alten und Marcel Hoffmann, brachten dem 50-Jährigen CDU-Bundestagsabgeordneten ihre Positionen zum Schutze des Waldökosystems und der geforderten ökologischen Wende in der Forstwirtschaft näher. Im 60minütigen Gesprächsformat konnte die Komplexität und Themenvielfalt zum Waldschutz lediglich skizziert werden. Erwarteter Weise stellte sich ein Dissens zum Thema Prozessschutz, also Stilllegung von Teilen der Wirtschaftswälder zur Ausweitung von Schutz- und Wildnisgebieten, heraus. Die Notwendigkeit zur Einstellung und Reduzierung von Holzeinschlägen in Kommunalwäldern, um gestressten Forsten die Möglichkeit zur Erholung zu bieten, bzw. das Waldinnenklima und damit wertvolle Ökosystemleistungen wie Grundwasserbildung, Temperaturregulierung, Kohlenstoffspeicherung und die Biodiversität zu schützen und zu fördern, sieht Oster in einen Konflikt mit der Wirtschaftlichkeit der Forstbetriebe, obgleich diese in vielen Regionen gerade durch starke Durchforstung der letzten Jahrzehnte und Zunahme der klimatischen Veränderungen, zunehmend nur noch defizitär wirtschaften und allein durch eine ökologische Waldwende eine zukünftige Waldwirtschaft überhaupt erhalten werden kann.

 

Ein weiterer Dissens offenbarte sich in der Behandlung des Schadholzes durch die Borkenkäfer-Kalamitäten. Oster sieht die Notwendigkeit in der Abräumung des geschädigten und vom Schädling besetzten Tot-Holzes von der betroffenen Waldfläche. Waldwende Jetzt! konnte Josef Oster erläutern, dass der Borkenkäfer nicht das Problem im Wirtschaftswald ist, sondern der geschwächte, durchforstete Wald an sich. Geschwächte und sterbende Bäume sind Folge von Monokulturen, in denen das ökologische Gleichgewicht und das Waldinnenklima massiv geschädigt wurden. Die Absenkung des Grundwassers durch Verdichtung der häufig befahrenen Waldböden und der daraus fehlenden Schwammwirkung der Waldbodenschichten, sowie gebietsfremde und untypische Waldgemeinschaften, verringern zusammen mit der durch Fällungen voranschreitenden Auflichtung der Wälder die Wasserspeicherfähigkeit des Ökosystems Wald. Die Böden und Bäume trocknen aus und bilden bei Angriffen durch Insekten wie dem Borkenkäfer keine schützende Harze zur Abwehr in den Bohrlöchern. Zudem verschwinden in den Wirtschaftswäldern die natürlichen Fressfeinde des Borkenkäfers, welche insbesondere im Totholz zu finden sind. Dass das Belassen kranker und toter Bäume, wie derzeit die Fichte, auf den geschädigten Waldflächen zur Neubildung einer Humusschicht beiträgt, sowie zur Stärkung der Gemeinschaft zahlreicher Mikroorganismen und Pilzen, sowie als Wasser-, Kohlenstoffspeicher und Schattenspender beiträgt, um die Entstehung einer neuen und gesunden Generation Wald zu fördern und zugleich zum Klimaschutz beiträgt, ist erwiesen und kann in Nationalparks seit Jahrzehnten beobachtet werden.

 

Unser sehr freundliches und respektvolles Gespräch mit Herrn Oster war zu kurz, um befriedigend alle Standpunkte und Themen zu beleuchten. Weitere Gespräche mit Oster und dem Kreisverband der CDU-Koblenz sollen Folgen. Mit diesem beiderseitigen Wunsch konnten wir dieses informative Gespräch enden lassen.